KI braucht ein neues Zuhause
Warum dieses Thema gerade jetzt?
- KI ist vom Experiment zum Standard-Tool geworden
- Gleichzeitig steigen Regulierung und Kundenerwartungen
- „Schnell mal ausprobieren” wird im Unternehmen zum Risiko
Das Protokoll im Prompt
- Team lädt „nur kurz” ein Kundenprotokoll hoch
- Ergebnis gut, Datenschutzprüfung fehlt
- Später Frage: Wo liegen diese Daten eigentlich?
Der geniale, aber falsche Output
- KI liefert souveräne Antwort mit erfundenen Fakten
- Entscheidung wird darauf gestützt
- Schaden entsteht nicht durch böse Absicht, sondern durch blindes
Vertrauen
Was passiert bei einem Prompt?
- Eingabe verlässt dein Endgerät über API/Web-App
- Verarbeitung läuft über mehrere Dienste (Auth, Routing, Modell)
- Teile werden geloggt, gefiltert, ggf. für Qualitätssicherung
genutzt
- Ausgabe kommt zurück, wirkt „instant”, ist aber eine
Servicekette
Die typische KI-Request-Kette
- Client: Browser, Plugin, IDE, App
- Gateway: Authentifizierung, Rate Limits, Policy Checks
- Inferenz: Modell-Cluster erzeugt Token
- Nachgelagert: Logging, Monitoring, QA, …
Wo fließen die Daten lang?
- Region hängt von Anbieter, Vertrag und Konfiguration ab
- Subprozessoren können beteiligt sein
- Daten können im Transit, in Logs und in Backups landen
- Ohne DPA/AVV bleibt das oft intransparent
Welche Datenarten sind kritisch?
- Personenbezogene Daten
- Geschäftsgeheimnisse und Quellcode
- Vertrags-, Finanz- und Gesundheitsdaten
Haftung und Rechtsfragen: Wer trägt was?
- Unternehmen bleibt verantwortlich für den Einsatz
- Anbieter haftet nur im vertraglich definierten Rahmen
- Mitarbeitende brauchen Leitplanken, keine Grauzonen
- „Die KI hat’s gesagt” ist keine Rechtsverteidigung
Regulatorischer Rahmen (vereinfacht)
- DSGVO: Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Minimierung
- AI Act: Risikoklassen, Pflichten, Transparenz
- Branchenregeln: z.B. KRITIS, Finanzaufsicht, Medizin
Risikoanalyse im Unternehmen (4 Felder)
- Datenschutzrisiko: Was darf rein?
- Qualitätsrisiko: Was darf ungeprüft raus?
- Betriebsrisiko: Abhängigkeit, Ausfälle, Lock-in
- Reputationsrisiko: Vertrauen von Kunden und Partnern
Wofür KI nutzen?
- Entwürfe, Zusammenfassungen, Ideation
- Code-Assistenz mit Review-Prozess
- Interne Wissenssuche mit sauberen Quellen
- Support-Vorbereitung, nicht blindes Autoreply
Wofür lieber nicht (ohne starke Kontrollen)
- Vollautomatische Rechts- oder HR-Entscheidungen
- Verarbeitung sensibler Kundendaten in Public-Tools
- „One-click” Entscheidungen mit Außenwirkung
- Kritische Produktionseingriffe ohne Human Gate
Warum KI ein neues Zuhause brauchen kann
- Datenresidenz und Souveränität werden wichtiger
- Eigene Policies lassen sich besser durchsetzen
- Private/Hybrid-Hosting kann Compliance vereinfachen
- Kosten und Performance werden planbarer
Hosting-Modelle im Vergleich
- Public SaaS: schnell, bequem, wenig Steuerung
- Private Instanz: mehr Kontrolle, mehr Betriebsaufwand
- On-Prem/Edge: maximale Kontrolle, hohe Komplexität
- Hybrid: pragmatischer Mittelweg für viele Unternehmen
Ein pragmatischer 90-Tage-Startplan
- Tage 1-30: Use-Cases priorisieren, Datenklassen definieren
- Tage 31-60: Guardrails, Richtlinien, Pilotbetrieb
- Tage 61-90: Betriebsmodell, KPIs, Skalierungsentscheidung
Konkrete Guardrails für den Alltag
- Prompt Policy: Was nie eingegeben werden darf
- Output Policy: Was immer geprüft werden muss
- Rollenmodell: Wer darf welche Tools wofür nutzen
- Logging/Audits: Nachvollziehbarkeit statt Bauchgefühl
Fazit
- KI-Einsatz ist immer auch Daten- und Rechtsarchitektur
- Der größte Fehler ist nicht Nutzung, sondern unkontrollierte
Nutzung
- Gute KI-Strategie verbindet Tempo mit Verantwortung
- Manchmal braucht KI deshalb ein neues Zuhause
Q&A
- Welche Use-Cases wollt ihr als Erstes sicher machen?
- Wo habt ihr heute die größte Intransparenz im Datenfluss?
- Was wäre euer sinnvoller nächster 30-Tage-Schritt?